Um 7 Uhr aufstehen. Draußen ist es nebelig und düster. Erstmal eine Tasse Kaffee zum Wachwerden … Heute ist es also soweit: Jolly und ich bestreiten unser erstes Turnier. „Bestreiten“ trifft es übrigens ganz gut – hatten wir, zumindest beim Aufmarschieren, doch einige Meinungsverschiedenheiten. Aber dazu später mehr.
Was mich etwas wunderte war, dass ich überhaupt keine Aufregung verspürte – den ganzen Morgen nicht. Selbst, als es dann aufs Pferd ging, konnte ich noch vor mich hersummen und –singen. So sind wir also durch den Wald Richtung Turnierort.
Am meisten Angst hatte ich im Vorfeld vor dem Abreiten: Ich kriege ja bei uns am Stall schon die Krise, wenn mehr als drei Reiter in der Halle sind. Jetzt sollte ich uns also mit gefühlt 20 anderen auf dem kleinen Platz warm machen. Tatsächlich waren meine Sorgen unbegründet. Dadurch, dass eigentlich alle immer auf der gleichen Hand reiten, ergab sich kein großartiger Gegenverkehr. Ausweichmanöver oder Notbremse mussten dementsprechend nicht getätigt werden. Und Jolly? War ausgesprochen bewegungsfreudig, nahm meine Hilfen an, galoppierte auf den Punkt los und parierte auf den Punkt durch, ließ sich wunderbar stellen und biegen und machte einen zufriedenen Eindruck. Mir ist ein riesen Brocken vom Herzen gefallen. Eigentlich schien alles gut zu sein. Eigentlich. Denn mit Betreten der Halle war dann direkt alles dahin. Jolly glotzte in der Gegend herum und erschrak sich vor jedem Blumentopf. Vom Hallentor ganz zu schweigen. Meine Gelassenheit ging rapide runter und verschwand dann gänzlich, als es ans Aufmarschieren ging: Denn der Kleine schien plötzlich einen „Pin im Kopp“ zu haben und stieg, ging rückwärts, ließ sich nicht anhalten und bockte. Von einem entspannten Grüßen konnte also keine Rede sein. Entsprechend verunsichert ging dann die Prüfung los. So richtig viel, muss ich sagen, habe ich davon gar nicht mitbekommen. Irgendwie war ich im Tunnel. Gefühlt war es ganz ok. Und als ich am Ende eine 5,3 erhielt, bestätigte sich das. Ganz ok eben. Laut Protokoll hätte ich mehr in Bewegung eingehen müssen. Daraus resultierte dann auch das „nicht ausbalanciert“. Es ist halt immer wieder mein Sitz. Aber gut, daran kann und werde ich weiter arbeiten. Immerhin wurde der Mittelschritt lobend erwähnt – und das ist ja schon mal was!
Auf dem Rückweg hätte ich Jolly am liebsten eine übergebraten, weil er wie ein Irrer über die Straße zog und Null auf mich hörte. So kenne ich ihn eigentlich gar nicht. Normalerweise ist er „draußen“ viel entspannter. Na, wer weiß, was ihn gestochen hatte.
Trotz den etwas widrigen Umständen hat diese Teilnahme Spaß gemacht. Und wiederholen würde ich das ebenfalls. Vielleicht etwas anders, z. B. bei einem Ü30- oder einem Wiedereinsteiger-Turnier. Denn mit den ganzen Pferdemädels um einen herum ist das halt so eine Sache. Eine Chance hat man da nun mal nicht.
