Als Kind/Jugendlicher ist man ja an viele Dinge sehr unbedarft herangegangen. Auf Bäume klettern, in Seen baden, durch die Wälder toben … Der Gedanke, dass dabei mal etwas passieren könnte, war eigentlich immer ganz weit weg. Mittlerweile, „mit zunehmendem Alter“, stelle ich fest, dass ich vieles kritischer bzw. vorsichtiger sehe und angehe. Einfach so auf ein Pferd steigen? Ohne den Gedanken, dass etwas passieren könnte? Das ist – zumindest bei mir – fast nicht möglich. Trotzdem darf man sich an so einem Gedanken nicht festkrallen. Ja, es kann etwas passieren. Immer. Doch dieser Gedanke lähmt und verkrampft. Da brauchst du dann gar nicht erst aufsteigen.
Viele Reiterhöfe bieten die Möglichkeit, an einem Angstseminar teilzunehmen. Hier wirst du behutsam ans Pferd herangeführt und lernst in aller Ruhe den richtigen Umgang.
Als ich zum ersten Mal nach ungefähr 15 Jahren wieder auf ein Pferd steigen sollte, war mir doch ein bisschen mulmig zumute. Dak, das Pferd von Bekannten, war zwar ganz brav. Aber einfach riesig. Irgendwie war mir überhaupt nicht klar, dass Pferde so groß sein können. Früher kamen sie mir nie so gigantisch vor. Mein erster Gedanke war: „Wie soll ich da überhaupt nur raufkommen?“ Mittlerweile gibt es überall Aufstiegshilfen – früher waren die ja immer verpönt. Ich erinnere mich noch, als ich als kleiner Knirps zur Longenstunde kam, mit dem Fuß aber nicht mal ansatzweise den Steigbügel erreichte. „Das geht alles von deiner Zeit ab!“, höre ich meine damalige Reitlehrerin noch sagen. Sie stand in aller Seelenruhe daneben und rauchte, während ich versuchte, aufs Pferd zu kommen. Deshalb hatte ich an jenem Nachmittag auch ziemliche Hemmungen – allein schon wegen des Aufsteigers. Doch das klappte dann erstaunlich gut.
Dann trug mich Dak, geführt von Micha, ein paar Runden durch die Halle. Ganz schön wackelig, irgendwie … „Sollen wir mal ein bisschen traben?“, fragte er dann und noch ehe ich antworten konnte, ging’s los. Rauf runter rauf runter hin her hin her … Auweia … Plötzlich erinnerte ich mich ans Leichttraben. Und auf einmal ging das Traben viel leichter. „Da merkt man glatt, dass du schon mal auf dem Pferd gesessen hast.“, lobte Micha und auch ich wurde von Pferdelänge zu Pferdelänge entspannter.
Reiten ist wie Fahrradfahren – das verlernt man nicht?!
Aufsteigen, losfahren, ausbalancieren, ein paar Kurven, mal die Bremse testen … klappt! Nun, so einfach wie das Fahrradfahren würde ich das Reiten nicht sehen. Natürlich fällt unserem Gehirn auf, dass es die Bewegungen eines Pferderückens schon mal erlebt hat und auszugleichen versucht. Auch die Abläufe in unserem Körper fangen nach einiger Zeit an, sich zu erinnern: Treiben: links – rechts – links – rechts, Leichttraben: Rauf – runter – rauf – runter (wann noch mal? Ach ja, Wenn das äußere Vorderbein nach vorne schwingt). Doch wenn man mal ehrlich ist: Nach all den Jahren ist man irgendwie eingerostet.
Aber keine Sorge: Übung macht den Meister! Du musst es nur wagen. Suche dir erst einmal einen Reiterhof, der zu dir passt. Und dann geht’s los!
